Sonntag, 10. Mai 2026

Die Nutzlosigkeit der Banken und der Regulierung



Im folgenden möchte ich episodenhaft ein paar Vorfälle schildern, die in ihrer Buntheit dennoch das Universum der heutigen Banken abdecken und tiefere Strömungen in der Gesellschaftspolitk  aufdecken.


Erste Episode

Die Nationalbank hat das Tempo zur Inverkehrsetzung neuer Geldscheinserien deutlich erhöht. Ab einem gewissen Punkt war die Politik der Wertloserklärung nach einer gegebenen Zeitspanne nicht mehr haltbar.  Trotzdem ist es ratsam, alte Scheine einzutauschen. Banken sollten diese Tätigkeit im Auftrag der Nationalbank ausführen. Ich gehe also mit fünf alten Tausenderscheine zu meine damaligen Credit-Suisse-Filiale. Zug um Zug sollte man die Scheine Hingeben und neue bekommen. Weit gefehlt. Die alten Scheine müssen auf ein bestehendes Konto eingezahlt, der Betrag wieder bezogen werden und zusätzlich ein Formular ausgefüllt werden plus Fotokopie der Identitätskarte angefertigt werden. Was die Bank mit den zwei Papieren macht, ist mir völlig schleierhaft. Wird in der Nachbearbeitung das Zeug gescannt und in einem virtuellen Kundendossier abgelegt? Kann man das Dossier mal einsehen?

Der tiefere Grund dieser Prozedur ist das Produzieren von dokumentarischen Spuren. Geldscheine als Inhaberpapiere müssen zusätzlich legitimiert werden.

Zweite Episode 

Ein Freund möchte kleine Goldbarren als Preise für ein Schachturnier ausloben und geht zur nächsten Kantonalbank im Kirschtortenkanton. Dort wird ihm beschieden, dass er für den Kauf ein Konto bei der Bank haben muss. Wieder ein typisches Kassageschäft, das nicht funktioniert. Hängt es daran, dass man über den Tresen keine automatischen Spuren erzeugen kann oder keine manuellen erzeugen will? Es lebe die Wirtschaftsfreiheit.

Dritte Episode

Ich gehe in Pension und lasse mir ein Freizügigkeitskonto von einer Kantonalbankstiftung auf ein Konto bei einer anderen Kantonalbank auszahlen. Das Antragsformular verlangt, dass Kontoinhaber und Ehegatte den Antrag unter Vorweis eines Personalausweises am Schalter autentifizieren müssen. Da ich mich für Länger in der Ferienwohnung aufhalte, fern von meiner Gattin, komme ich auf die Idee, bei meiner lokalen Kantonalbank vorstellig zu werden, um als erstes mich auszuweisen. Nun geht die Zusammenarbeit der Kantonalbanken aber nicht so weit. Man rät mir fälschlich, zur Post zu gehen, die aber nur Kopien gängiger Ausweise beglaubigen. Also gehe ich zur Gemeindekanzlei. An der Tür steht, Beglaubigungen nur nach Terminvereinbarung. Also trete ich ein und sage, ich möchte einen Termin, am besten sogleich. Der Lehrling kommt zum Zug, der interimistische Kanzler unterschreibt, Fr 25.-- bitte; was mich irritiert, ist dass zwischen dem Antragsformular und der Beglaubigung kein physischer Nexus besteht, denn die Beglaubigung ist auf einem anderen Blatt. 

Ich sende den Antrag meiner Frau mit der Bitte, bei der Kantonalbank vorstellig zu werden und dort den Antrag zu unterschreiben. Auf dem Formular ist vorgesehen, dass der Schalterbeamte den Akt mittels Unterschrift beglaubigt. Das macht er fälschlicherweise nicht (aber er macht eine Kopie der ID), so dass nach einiger Zeit die Stiftung sich meldet und moniert, der Antrag sei nicht vollständig. 

Es geling die Kuh vom Eis zu holen und die Auszahlung erfolgt an besagtes Konto bei der zweiten Kantonalbank. Ich mache einen Zahlungsauftrag über eine grössere Summe an meinen Discount-Broker, wobei dieser schon länger durch Zahlungen bekannt ist. Am nächsten Tag sehe ich, dass die Zahlung nicht ausgeführt ist. Am übernächsten Tag melde ich mich bei der Bank. Diese bestätigt, dass die Zahlung nicht getätigt wurde, da sie Fragen zum zugeflossenen Geld hätten. Ich frage, ob sie nicht erkennen können, dass das Geld von einem auf mich lautenden Konto bei der Freizügigkeitsstiftung komme (und nicht vom Drogenkartell in Medillin). Ich soll ihnen Unterlagen dazu schicken. Der Kundenberater findet, man hätte das Geld doch direkt zum Discounter auszahlen sollen. Für die Bank sei der Transfer kein lukratives Geschäft. Ich frage mich, was ihr Geschäft eigentlich ist. Alle wollen nur Anlageberatung machen.

Vierte Episode

Ich mache das Online-Banking für meine Mutter, die bei der UBS ein Privat- und ein Sparkonto hatte. Letzeres wollte sie aufgeben, wobei der Restbetrag auf das Privatkonto fliessen sollte und von dort an die drei Enkel weiter. Zur Kündigung eines Kontos gibt es kein Formular, man muss ein Email innerhalb des  Online-Banking schicken. Man würde annehmen, dass man eher leichtfüssig durch Know-your-Customer und Anti-Money-Laundering kommen sollte. Aber, wir wissen es besser. 

Im Online-Banking-Benachritigungskorb findet sich:

Saldierungen von Kundenbeziehungen mit einem Vermögen von über CHF 5000 müssen telefonisch bestätigt werden
Im Telefonat ist die Mutter ein wenig verdattert, denn sie ist es gewohnt, zu machen was sie will. Die Bank macht dann ihren Zurechnungsfähigkeit-Schnelltest: "Wissen Sie welcher Tag heute ist?" Antwort: "Ja, der Tag, an dem ich einer hohlen Nuss die Fresse polieren will!" Natürlich ist niemand so schlagfertig (und riskiert, als Terrorist markiert zu werden), man antwortet dann lieber "Dienstag". Nach Wochen gelingt es dann doch, diese trivialen Transaktionen über die Bühne zu bekommen. Man glaubte irtümlich, man lebe in einem Land, in welchem das Eigentum garantiert und heilig sei. Aber die Institutionen wollen in wohlwollender Sorge mitbestimmen. Die Banken glauben anscheinend, ihre Kunden hätte beliebig viel Zeit.

Fünfte Episode

Unsere Kinder hatten alle ein Jugendkonto bei der vor kurzem untergegangenen (oder versenkten?) Bank. Eine Erziehungsschule geht davon aus, dasss die Kinder ab einem gewissen Alter sich selber um ihren Scheiss kümmer sollen. So kam es, das das jüngste Kind, damals 17 oder 18, auf eine Zusendung der Bank zur regelmässigen Bestätigung, das man immer noch derselbe sei und zum wiederholten Mal eine Unterschriftsprobe einreiche, mit Nichtbeachten reagiert hat. Lange ist nichts geschehen, bis ein Schreiben der Compliance der Bank einging. Ich habe hingewiesen, dass es doch darauf reagieren sollte; das sah mein Sohn anders. Dann kam die Aufforderung das Konto zu schliessen, denn die Bank könne nicht feststellen, ob man ein Fall für FACTA sei, resp. ob eine Steuerbarkeit in den USA vorliege. Genauer genommen hätte man ein paar Rundschreiben der Finma sich reinziehen sollen, um die Motivation der Bank nachzuvollziehen. Als Nicht-Amerikaner? 

Sich mit der Compliance anzulegen ist hoffnungsloser als die Inquisition zu bekehren. Das Thema ist hier: wieso ist common sense so uncommon? Und ein Bundesrat namens Merz verkündete, die Amis werden sich am schweizerischen Willen nach Eigenständigkeit die Zähne ausbeissen. Wir wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist. Hart wie in Kaffee getunktes Zopfbrot. Wer Schwarzeld auf der Bank haben will, muss in der Schweiz ein Konto errichten, nicht im Ausland (dies ist kein juristischer Rat und ich entschlage mich jeglicher Verantwortung). Was allerdings faktisch nicht stattfindet, weil die Schweizer (oder Inländer) ja treue und gläubige Steuerzahler sind.

Sechste Episode

Ich verkaufe für meine Mutter eine kleine geerbte Wohnung in Italien. Ich bin ausgerüstet mit einer Spezialvollmacht für den Verkauf und einer fast Generalvollmacht mit Ausschluss von Immobiliengeschäften. Alles notariell begalaubigt und von der Staatskanzlei überbeglaubigt. Der Termin beim Notar in Italien ist so, dass ich noch zur Bank gelange, um den Scheck einzulösen. In der Bank heisst es, erstens dass Kassageschäfte nur am Morgen angeboten werden und zweitens, dass sie die Vollmacht mit der juristischen Abteilung kontrollieren wollen; ich soll morgen vorbeikommen. (Enthält "alle Bankgeschäfte" auch die Unterschrift eines Schecks?) Das war so nicht eingeplant. Auf die Frage, wo die Bank denn ein Risiko für sich sehe, wenn ein Scheck auf meine Mutter lautet, dessen Gegenwert auf ihrem Konto bei eben dieser Bank gutgeschrieben werden soll. Meine Mutter könnte nicht einverstanden sein mit der Transaktion und die Bank verklagen. In Italien die Bank verklagen ohne dass ein Schaden nachweisbar ist, ist so relevant wie die  Überbevölkerung des Mars.

Ich nehme den Scheck in die Schweiz und gehe mit meiner Mutter zur UBS. Dort geht der Akt recht flott von der Hand. Nur, das Geld kommt einfach nicht. In der vierten Woche wird beschieden, 1) dass man ein Konto in Euro errichten soll, anscheinend können sie oder wollen sie den Betrag nicht in CHF umwandeln, 2)  

Wir möchten Sie darüber informieren, dass die Einlösung eines Schecks bei der UBS mit einer sechsmonatigen Betrags-Sperre oder gegebenenfalls einer 6-monatigen Kontosperre verbunden ist, da der Scheck lediglich unter Vorbehalt gutgeschrieben werden kann.

Die Express-Reisedauer bis zum Mars beträgt rund 6 Monate. Auf der Champagnermesse im Hochmittelalter konnte man alle zwei Monate die Wechsel kassieren. Es gibt heutzutage sogar Instant-Zahlungen binnen 10 Sekunden mit Echtzeit-Monitoring. Man nennt es Regression.

Was geschieht in der Zwischenzeit? Man wartet, ob sich etwas tut? Oder wird Sherlok-Homes in Weich auf die Fährte geschickt? War der Scheck nicht eines der sichersten Zahlungsmittel? Die ausstellende Bank hat eine fast doppelt so hohe Börsenkapitalisierung im Vergleich zur UBS und ist deren Korrespondenzbank in Italien! Ihre Adresse kennen sie also schon. Die UBS muss nicht die ausstellende Person prüfen, das macht die italienische Bank. Die UBS muss nur die Bank prüfen, so wenigstens die Logik. 

Das alles ist völlig absurd. Und wann der Fall gegeben ist, wäre auch noch zu klären. Wie war der Slogan der UBS nochmal? "Wir werden nicht ruhen", ja gute Nacht. Übrigens, einer meiner Liebligsfilms ist Brazil von Terry Gilliam.


Ich lasse den Scheck in die Filiale zurückgehen mit der Absicht, mit meiner Mutter nach Italien zu gehen und den Scheck dort kassieren zu lassen. Was jetzt allerdings unvorteilhaft ist, ist dass der Scheck ja schon unterschrieben ist. Eigentlich wird der Scheck vor dem Schalterbeamten signiert. Ist das nun problematisch? Vielleicht ist es günstiger, den Käufer der Wohnung in die Bank zu schleppen, um den Scheck zu anullieren oder in loco zu verbrennen (Asche ins Dossier). Die Bank hat den Betrag ja reserviert und beim Käufer gesperrt. Wo ist das Geld jetzt eigentlich? Es sind bis jetzt schon bald 3 Monate vergangen.

Schlussfolgerungen

Die Bankregulierung (Finma, AT1-Auslöscher) im Zusammenspiel mit Gesetzgeber und den Eigeninteressen der Wirtschaftsprüfer haben es verstanden, die Banken zur grössten je dagewesenen Bürokratie anwachsen zu lassen und jede Form von Überwachung der Kunden en passant einzuführen. Alles muss Spuren hinterlassen, die mit dem Scharfsinn eines Molusken analysiert wird. Dabei werden verfassungsmässige Rechte wie die Verfügbarkeit über Eigentum hinter Kontrollthematiken gestellt. Der Datenschutz in der Schweiz ist rudimentär. Alte sind alle vorsorglich als dement zu betrachten. Den Erfolg des Kampfes kann man am sinkenden Umsatz der Drogenhändler messen (Ironie). Heute kann man nicht sicher sein, dass die Bank eine Zahlung ausführt. 

Systematisch werden alle Inhabertitel zu Namenspapieren gewandelt, womit eine Entwertung einhergeht. Früher waren Aktien und Bahnbillete aber auch Geldscheine durch Besitz legitimiert. Heute muss überall der Name draufstehen oder der Herkunfsnachweis erbracht werden. Sogar  das Parken verlangt die Eingabe der Kontrollnummer. Dass die Sim-Karte im Auto ohnehin registriert, wo man gerade war, ist geschenkt. Ich weiss nicht, ob man die Einführung von elektronischer Währung mit Konto bei der Nationalbank gutheissen sollte. 

Die ganze Kontrollmanie wird durch jeden neuen Terroranschlag verstetigt und die Technik erlaubt die Erfassung beinahe kostenlos. Die US-Amerikaner wollen nun nicht nur die Daten der Einreisewilligen aus den ESTA-Staaten. Nein, sie wollen direkten Zugriff auf die Personaldaten, auf die Datenbanken! Diese können sie dann in Palantir einspeisen, wenn diese sich noch nicht selber Zugang verschafft haben. Dabei wird ein riesiger Haufen von Terroristen herausspringen und uns überzeugen, dass wir strengere Gesetze und höhere Budgets für den Nachrichtendienst brauchen. 

Die Jungen, wie meine Kinder, sind sich dieser Tatsachen vielleicht bewusst, aber finden sie nicht besonders furchteinflössend. Traurig ist, dass man sich diesem gesellschaftlichen Trend nicht entziehen kann, wenn man sich nicht eine ganze Kryptoinfrastuktur aufbauen oder zur Tauschwirtschaft regredieren will. Man muss sich aber vor Augen führen, wie historisch eine Volkszählung mit Angabe der Religion den Mördern in die Hand gespielt hat.

So sind die Banken nutzlos! 

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